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Hausgans

Beschreibung

Graugansfamilie
Abb.1 Graugansfamilie

Im Vergleich zum Haushuhn ist die Gans ein relativ junges Hausgeflügel. Die Anfänge der Domestikation reichen "nur" bis ins 2. Jt. v. Chr. nach Ägypten zurück. Für Süd– und Mitteleuropa wird eine eigene Rassebildung angenommen, die sich bis in die ersten Jahrhunderte v. Chr. rückverfolgen lässt. Als deren Stammform gilt die Graugans (Anser anser), das größte und schwerste Wildgeflügel Europas. Die Hausgans hat im Laufe ihrer langen Geschichte relativ geringe Veränderungen erfahren. Eine Ursache dafür dürfte sein, dass noch bis in die Neuzeit hinein die Wildform regelmäßig in den Hausgansbestand eingekreuzt worden ist, was eine gewisse Vereinheitlichung zum Ergebnis hatte. Wenn es auch immer wieder weiße Gänsetypen gab, die auch höher geschätzt wurden, so war die Gans doch meist wildfarben.

In römischer Zeit war die Gänsehaltung sehr ausgeprägt. Die Gänse wurden auf Größe und Gewicht gezüchtet und auch das Stopfen war schon bekannt. Nach dieser Zeit lässt sich, wie in der gesamten Tierhaltung, ein Rückschritt erkennen. Die Gänse wurden leichter, kleiner und schmalwüchsiger. Die Flügel waren im Vergleich zur Graugans schwächer gebaut, wodurch die Flugfähigkeit schlechter war. Dagegen war das Beinskelett stärker. Das Körpergewicht der frühmittelalterlichen Gans lag je nach Geschlecht zwischen 2,5 und 4 kg. Wie archäozoologische Befunde zeigen, hatte im Übergang zum Mittelalter die Gänsehaltung deutlich wieder an Bedeutung gewonnen. Die Hausgans war meist das zweithäufigste Hausgeflügel, was jedoch in absoluten Zahlen einen Anteil von unter 10% zu anderen Nutztieren ausmachte.

Die ältesten Beschreibungen von Hausgansrassen gehen bis ins 13. Jh. zurück und zwar handelt es sich um die Emdener Gans. Auch die Pommersche Gans ist eine sehr alte Rasse.

Haltung

Gänse wurden das ganze Mittelalter hindurch in unterschiedlichen Weisen gehalten; von der Haltung von Einzeltieren zur Mast über die (klein)bäuerliche Geflügelhaltung bis hin zur organisierten Massenhaltung war alles möglich. Im ländlichen Frühmittelalter war jedoch die bäuerliche Haltung maßgebend. Dort wurden die Gänse in Brutpaaren gehalten, um genug Nachwuchs zu erhalten.

Die Nahrung der Hausgans besteht im Wesentlichen aus Pflanzen, kurzen Gräsern, Kräutern sowie in geringerem Umfang aus Stauden und Wurzeln, welche sie hauptsächlich weidend an Land findet. Mitunter finden sie ihre Nahrung auch schwimmend, gründeln aber nur sehr selten. Zusätzlich kann auch Gerste verfüttert werden. Für die Gänsehaltung war ein kleiner Weiher oder Teich notwendig, um das Schwimmen zu ermöglichen. Tagsüber und wenn es das Wetter zuließ, liefen sie frei im Hof herum oder wurden von Hirten auf die umliegenden Grasflächen getrieben. Damit die Gänse nicht wegflogen und um sie vor Geflügelräubern zu schützen, wurden sie nachts eingesperrt. Das geschah in separaten Verschlägen in denen auch Körbe für den Nestbau und die Eiablage bereitgestellt waren.

Die Gänse sind mit eineinhalb bis zwei Jahren geschlechtsreif und suchen sich dann ihren Brutpartner, dem sie lebenslang treu sind. Ende Mai setzt in der Regel die Eiablage ein (Gelegegröße 4 – 10 Eier) und nach einer Brutzeit von ungefähr vier Wochen schlüpfen die jungen Gänse, die wiederum nach 8 – 10 Wochen flugfähig sind. Normalerweise brüten Gänse nur ein Gelege pro Jahr aus. Durch Wegnahme der Eier und das Ausbrüten durch Hühner können bis zu drei Gelege erreicht werden.

Nutzung

Gänse wurden im Frühmittelalter im Wesentlichen zur Erzeugung von Fleisch, Fett und Federn gehalten. Mir ist nicht klar, ob es zu dieser Zeit das bereits von den Römern durchgeführte "Stopfen" der Gänse zur Erzeugung der Stopfleber gab.

Bei Bedarf wurden die Gänse geschlachtet und verzehrt. Dabei wurde die ganze Gans mitsamt den Innereien und Knochen verwertet. Bei den Gantern könnte es sein, dass sie zuvor kastriert (kapaunisiert ) wurden, obwohl es bei der späten Geschlechtsreife und der Sozialstruktur der Gänse nicht notwendig erscheint.

Das Fett der Hausgans wurde ausgelassen und haltbar gemacht. Es stand so, ähnlich wie Rindertalg und Schweineschmalz, der notwendigen Fettversorgung zur Verfügung.

Nicht nur den geschlachteten Gänsen wurden die Federn gerupft, sondern auch bei den lebenden Tieren. Bei ihnen wurde ein– bis zweimal im Jahr das Brustgefieder zur Daunengewinnung gerupft. Mit den Daunen konnte man zum Beispiel Kissen, Decken und Kleidungsstücke füllen. Die Schwungfedern der geschlachteten Gänse ließen sich für handwerkliche Zwecke z. B. Pfeilbefiederung, Schreibfedern oder Pinsel verwenden.

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