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Die Tierhaltung

Unter Tierhaltung verstehen wir die Haltung von nützlichen Haustieren im unmittelbaren Umkreis des Menschen. Die frühmittelalterliche Tierhaltung für ganz Deutschland lässt sich auf diesen Internetseiten nicht beschreiben. Eine allgemeine Aussage ist nicht möglich, da die Art der gehaltenen Haustiere und die Haltungsweise von der Geographie und Gesellschaftsstruktur abhängig sind. So ist zum Beispiel archäologisch an der Nordseeküste Gänsehaltung im großen Stil nachgewiesen. Ziegen wurden wohl hauptsächlich dort gehalten, wo die Bedingungen für Rinder zu schlecht waren. Diese Seite beschränkt sich im nachfolgenden Text auf die von uns gewählte Siedlungssituation, also dem Scotelingo. Tiere, die hier wahrscheinlich gehalten wurden, waren: Rind, Schwein, Schaf, Pferd, Huhn, Gans, Hund und Katze.

Eine Sonderposition nahmen die Bienen ein. Diese wurden nicht im eigentlichen Sinne gehalten — die Imkerei wurde erst im Hochmittelalter genutzt – sondern im Rahmen der Zeidlerei wurden wilden oder halbwilden Bienenvölkern der Honig abgenommen.

Scheine im Wald
Abb.1 Schweine auf der Weide
in der Arche Warder.

Rinder und Schweine nahmen den größten Anteil im bäuerlichen Viehbestand ein. Die Schafe wurden als Woll– und Fleischlieferanten gehalten, die Milchproduktion spielte nur eine untergeordnete Rolle. Auch auf das Pferd treffen wir. Es hatte noch keinen wirtschaftlichen Nutzen und setzte sich erst ab dem Hochmittelalter als bäuerliches Zugtier durch. Allerdings hatten Pferde bei den Sachsen religiöse und soziale Bedeutung und es wird vermutet, dass an bestimmten Orten sogar Pferdezucht betrieben wurde.

Im Unterschied zur heutigen Zeit war die Tierhaltung keine Stallhaltung. Das Vieh und Geflügel wurde die meiste Zeit des Jahres draußen gehalten. Nur in der kalten Winterzeit wurden die Kühe und Pferde im Langhaus aufgestallt. Man spricht von einer extensiven Tierhaltung, die damit im Gegensatz zur hoch ausgebildeten Landwirtschaft der römischen Zeit steht. Dementsprechend ging auch die Qualität der Tierhaltung zurück, sowohl was die Haltungsbedingungen als auch Rassenzüchtung, Größe oder Gewicht der Tiere angeht.

Die Tiere wurden im Herden in die umliegenden Schwemm–/Feuchtgebiete, Wiesen und Wälder getrieben und von Hirten (evtl. mit Hunden) bewacht. Dabei war es möglich, dass Tiere von benachbarten Gehöften zu einer Herde zusammengefasst wurden. Je nach Jahreszeit lagen die Weidegründe näher oder weiter vom Hof entfernt. Erlaubte es die Entfernung, wurde das Vieh abends zum Hof zurückgetrieben und dort eingepfercht oder eingestallt. War die Entfernung zu weit, so trieb man das Vieh an Ort und Stelle in feste, kleine Steinumfriedungen, um es bei Nacht zu schützen. Auf diese Weise konnte es für längere Zeit auf entfernten Weidegründen gehalten werden.

Im Spätsommer und Winter bis zum zeitigem Frühjahr trieb man das eigene Vieh auf die Getreide– und Gemüseäcker. So dienten auch die ersten Saaten des Winter– und Sommergetreides als Grünfutter. Diese waren ein beliebtes Viehfutter und wurden nur relativ wenig geschädigt, wenn der Weidegang vorm Schossen aufhörte. Er vermehrte sogar die Bestockung und half Unkräuter zu bekämpfen. Zugleich wurden die Felder gedüngt. Einen Misthaufen, so wie wir ihn heute kennen, gab es auf dem altsächsischen Hof vermutlich nicht. Um eine Brache oder ein Stück Grünland zum Ackerland vorzubereiten, trieb man die Schweine darauf, die mit ihrem Rüssel den Boden aufwühlten.

Waren die Wetterverhältnisse im Winter zu schlecht, so blieben die Tiere in den Stallungen und Pferchen. Sie wurden dann aus dem Futtervorrat, der über das Jahr hin angelegt worden war, versorgt.

Das Geflügel, Hühner, Gänse und vielleicht Enten blieben tagsüber auf der Hofanlage und deren näherer Umgebung. Für das Wassergeflügel stand sicher ein Teich zur Verfügung. Abends sperrte man es in einen Verschlag ein, der sich im Langhaus, der Scheune oder einem separaten Stall befinden konnte. Auf diese Weise war es vor Raubtieren geschützt. Während der Winterzeit erhielt auch das Federvieh Zusatzfutter aus den Vorräten. Das Geflügel war in erster Linie ein Fleischlieferant, die Eierproduktion – auch bei den Hühnern – hatte im Frühmittelalter nur sekundäre Bedeutung.

Über die warme Jahreszeit verteilt wurden Geflügel und überzählige Bocklämmer geschlachtet. Das geschah aber selten und somit war auch Frischfleisch ein seltener Gast auf dem sächsischen Speiseplan. Die Hauptschlachtzeit war der Beginn der kalten Jahreszeit, bevor das Vieh und Geflügel permanent im Stall blieb. Die auf diese Weise erhaltenen Mengen an Frischfleisch wurden konserviert um die eigenen Wintervorräte aufzufüllen. Zudem konnte man durch das Schlachten die Anzahl der Tiere so weit reduzieren, dass die gesammelten Futtervorräte ausreichten, um den Bestand durch den Winter zu bringen. Natürlich musste darauf geachtet werden, dass genügend Tiere zur Weiterzucht den Winter überleben konnten.

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