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Die Wohnsituation

Städte und Dörfer wie wir sie heute kennen gab es im frühen Mittelalter noch nicht. Die Menschen lebten in einzelnen Hofanlagen oder dörflichen Ansiedlungen in denen jedes Haus einzeln stand und von Hof, Garten und Feld umgeben war. Die meissten dieser Dörfer bestanden aus nur sehr wenigen Wohngebäuden die auch etwas entfernt voneinander gestanden haben. Ab etwa 100 Einwohnern können wir schon von großen Dörfern sprechen. Wer nicht in einem solchen Dorf wohnte, der lebte in einem Einzelhof, der irgendwo in der Landschaft in der Nähe von Bächen oder Flüssen stand. Wasser war damals genauso wie heute lebensnotwendig.

Zu einem solchen Einzelhof gehörte ein Langhaus sowie weitere Gebäude wie Grubenhäuser, Wirtschaftsgebäude, Schmiede, Vorratsgrube, Rutenberg sowie ein Brennofen. Auch ein Gartenbereich mit Küchen-, Medizin- und Färbepflanzen und auch ein Ackerbereich für Getreide, Flachs und andere Pflanzen war vorhanden. Die ganze Anlage war meisstens umzäunt und konnte mit einem großen Tor verschlossen werden. Wir wollen hier mal einen Einblick auf die Gebäude und Bestandteile einer solchen Hofanlage geben.

Rekonstruktion eines sächsischen Gehöftes nach Grabungsergebnissen in Scharnhorst/ Verden

Das sächsische Bauernhaus

Der schiffsförmige Verlauf der Längswände ist typisch für die sächsische Bauweise. Hier das Wohnhaus von Warendorf.

Zentraler Punkt einer altsächsischen Hofanlage war das Haupthaus. Dieses wurde wegen seiner Form und Größe auch als Langhaus bezeichnet. Diese Häuser erreichten Längen zwischen 20 und 30 Metern sowie Breiten von 5 bis 8 Metern. Die Größe des Langhauses war vermutlich auch auch vom sozialen Status des Besitzers abhängig. Um den vorherrschenden Westwinden möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, waren sie ostwestorientiert ausgerichtet. Die Schmalseiten des Hauses waren dewegen besonders verengt gebaut. Unter dem First befand sich an beiden Seiten jeweils ein Rauchabzug. Diese Dachöffnungen wurden "Windaugen" genannt. Daraus leitet sich das engl. Wort "Windows" für Fenster her. Der Haupteingang wurde meist in der Mitte der Längswand angelegt. Einen Zugang zum Stallteil an der nordwestlichen Seite des Hauses ist ebenfalls in Einzelfällen nachgewiesen.

Rekonstruktion eines sächsischen Langhauses aus dem 7./8. Jahrhundert aus verschiedenen Befunden. Braunschweigisches Landesmuseum, Abt. Frühgeschichte in Wolfenbüttel

Das Gerüst des Hauses besteht aus tragfähigen Hölzern. Vorzugsweise wurde Eiche verwendet. Die Hölzer wurden untereinander verzapft und ggf. mit Holznägeln verbunden. Das Bauholz wurde vor der Verarbeitung entrindet um einer vorzeitigen Zerstörung durch Schädlinge und Feuchtigkeit vorzubeugen. Die tragenden Pfosten waren in den unteren Partien zumeist angekohlt um hier eine zusätzliche Härtung für einen besseren Schutz gegen Bodenfeuchtigkeit zu erhalten. Die Dachlast wurde durch eine Sparrendachkonstruktion auf die Wandpfosten verlagert. Man hatte so freiere Innenräume, da keine dachtragenden Innenpfosten mehr nötig waren. Die Wände bestanden oft aus einem Rutengeflecht, dass mit Lehm verschmiert wurde. Die Dacheindeckung erfolgte in der Regel mit Schilf (Reet) oder auch Schindeln. Die Lebensdauer eines solchen Langhauses betrug etwa 30 bis 40 Jahre, was auch der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Menschen in dieser Zeit entspricht.

Das Langhaus auf dem Sachsenhof in Greven ist ebenfalls in der Dachsparrenkonstruktion errichtet worden. Hier bildet das Dach an den Schmalseiten jedoch keinen Giebel, sondern hat hier abgeschrägte Dachflächen (Walmdach).
Das Langhaus im Mittelalterdorf "Bokenrode"

Das Langhaus gliederte sich in Stall, Diele und Wohnteil. Während sich meist auf der westlichen Seite des Gebäudes die Viehboxen mit dem aufgestallten Vieh befanden lag der Wohntrakt im gegenüberliegendem Teil. In der Mitte des Hauses die Diele mit der Feuerstelle. Hier wurden vermutlich auch die weiteren häuslichen Tätigkeiten verrichtet.

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Das Wirtschaftsgebäude

Das Wirtschaftshaus im Mittelalterdorf Bokenrode hat auf der vorderen Giebelseite zusätzlich ein Vordach um den Lehmverstrich vor Wettereinflüssen zu schützen.

Neben dem Haupthaus und den Grubenhäusern gehörten verschiedene kleinere Pfostenbauten zu einer altsächsischen Hofanlage. Dieses waren sogenannte Wirtschaftsgebäude. Diese Nebengebäude wurden entweder als Scheune für Arbeits- und Ackergeräte, für die Lagerung von Viehfutter und Vorräten oder als Werkstätten verwendet. Die Dachform der Wirtschaftsgebäude unterscheidet sich in den meissten Fällen von der des Langhauses. Oft haben sie ein Satteldach, dass an den Schmalseiten eine gerade Giebelfront aufweist. In der Mitte beider Schmalseiten befinden sich ein bzw. zwei mächtige Stützpfosten, die den Firstbalken tragen, an dem wiederum ein Großteil der Dachlast hängt. Aufgrund der geringen Größe der Gebäude reichen die äußeren Stützpfosten aus, so dass im Hausinneren keine weiteren Pfosten nötig waren, um eine sichere Statik zu gewährleisten. Die Wände bestanden aus einem Weidengeflecht, dass mit Lehm verstrichen wurde.

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Das Grubenhaus

Alsunna hinter dem Grubenhaus auf dem Sachsenhof Greven

Wie dieses Gebäude zu seiner Bezeichnung gekommen ist, wird auf dem ersten Blick klar. Der Fußboden liegt ca. 0,80 m unter der Erdoberfläche, und man muß eine kleine Rampe hinabsteigen, um in das Gebäude zu gelangen. Die Wände entsprechen denen bei einem oberirdischen Bau. Sie verhindern ein Nachrutschen des Bodens in den Innenraum. Im Gegensatz zum skandinavischen Raum verfügen die Grubenhäuser der Sachsenzeit durchweg nicht über Feuerstellen, die auf eine Nutzung als Wohnstätten deuten könnten.

Webarbeiten im Grubenhaus
Oft sind darin Spinnwirtel (Schwunggewichte der Spindel, häufig aus Ton) und Webstuhlgewichte aus Ton gefunden worden. Also Gegenstände, die belegen, daß hier Gewichtswebstühle standen und Textilien hergestellt worden sind. Messungen haben ergeben, daß durch die Abgabe von Bodenfeuchtigkeit im Inneren des Grubenhauses eine erhöhte Luftfeuchtigkeit herrscht. Dies ist besonders für die Verarbeitung von Leinen von Vorteil, da die Fäden dadurch geschmeidig bleiben.

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Die Schmiede

Auf fast jeder Hofanlage war eine Schmiede zu finden in der einfache in der Landwirtschaft anfallende Metallarbeiten sofort ausgeführt werden konnten. Kleinere Geräte wie Messer, Scheren, Haken oder auch Gürtelschliessen konnten direkt vor Ort angefertigt werden. Die überwiegende Zeit war der Schmied vermutlich mit der Reparatur von kaputtgegangenen Geräten beschäftigt.

Die Schmiede auf der altsächsischen Hofanlage im Freilichtmuseum Oerlinghausen in einem Wirtschaftsgebäude.
Rekonstruktion einer Schmiede in einem Grubenhaus im Museum Wolfenbüttel.

Die Schmiede selbst stellt an sich keinen eigenen Gebäudetyp dar. Sie war entweder in einem der Wirtschaftsgebäude oder in einem Grubenhaus untergebracht. Wegen der erhöhten Brandgefahr war die Schmiede meist an den Rand eines Gehöftes gerückt.

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Der Rutenberg

Rutenberge sind von vielen frühmittelalterlichen Siedlungsplätzen bekannt. Ein Rutenberg ist ein nach allen Seiten offener Erntespeicher.

Ulrich am Rutenberg auf dem Sachsenhof Greven.

Der Name weist einerseits auf die Konstruktion aus Holzstämmen (Ruten) und andererseits auf die Funktion noch nicht gedroschene Getreidevorräte und andere Feldfrüchte, aber vor allen Dingen wohl Heu zu bergen hin. Der Rekonstruktion des Rutenberges auf dem Sachsenhof in Greven (Foto) liegt der Ausgrabungsbefund von Telgte-Wöste zugrunde. Der Rutenberg besteht aus einer polygonalen Anordnung von sechs kräftigen Pfosten. Diese weisen eine senkrechte Reihe von Durchbohrungen auf, in die tragfähige Holzbolzen geschoben werden können, auf denen das kegelförmige Dach ruht. Durch Umstecken der Bolzen in höhere oder niedrigere Löcher kann das Dach hinauf oder hinab befördert werden, so daß es sich immer direkt über dem Erntegut befindet.

Zeichnung aus dem Oldenburger Sachsenspiegel
Die Ernte ist so optimal vor Wind und Wetter geschützt. Da das Bewegen des Daches in sächsischer Zeit mit Muskelkraft erfolgen mußte, ist anzunehmen, daß es nicht wie die Stützpfosten aus Eichenholz, sondern aus leichteren Holzarten, wie bei dem Beispiel auf dem Sachsenhof aus Kiefernholz konstruiert war. Auf dem Mittelpfosten liegt der Bodenrost aus parallel ausgerichteten, dünnen Holzstämmen auf. Auf diese Weise war das Erntegut einerseits vor Bodenfeuchtigkeit geschützt und wurde andererseits gut durchlüftet.

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Die Vorratsgrube

Rekonstruktion einer jungbronze-früheisenzeitlichen Vorratsgrube für Getreide nach W. Gebers 1985

Vorratsgruben sind bereits seit der Jungbronze- und der Eisenzeit belegt. Der Nachweis der Vorratshaltung für Getreide wurde bei Ausgrabungen einer vorgeschichtlichen Siedlung in Rullstorf (LK Lüneburg) erbracht. Bei einer Brandkatastrophe sind hier offensichtlich einige vorgeschichtliche Häuser abgebrannt. Der Grubeninhalt einer nahegelegenen Grube verbrannte mit. Bei den verkohlten Rückständen dieser Grube handelte es sich um fast reinen Saathafer. (Nach Radiokarbonuntersuchung datiert auf 1000 v. Chr.) Hatte man solche Gruben bislang als Abfallgruben bezeichnet, so können sie nun als unterirdische Getreidesilos angesehen werden. (1)

Ergrabung einer Vorratsgrube in Rullstorf. W. Gebers 1985

Bei diesen Vorratsgruben handelt es sich um kreisrunde Gruben mit einem Durchmesser von etwa einem Meter und einer Tiefe von bis 1, 40 m. Sie haben senkrechte Seitenwände und einen flachen Boden. Die Wände waren durch einen Lehmverstrich und/oder einem Rutenflechtwerk verstärkt um ein Zusammenbrechen zu verhindern, bzw. den Vorrat gegen bodenbewohnendes Ungeziefer zu schützen. Nach dem Befüllen mit Getreide wurden diese Gruben mit Lehm oder Erde luftdicht verschlossen. So konnte der Vorrat über einen längeren Zeitraum haltbar gelagert werden. Vermutlich brauchten solche Erdspeicher auch einen guten Regenschutz. Nach Beobachtungen während der Ausgrabung in Rullstorf hätte bereits eine etwa ein Meter über den Grubenrand ragende Abdeckung ausreichend Schutz geboten um das Getreide trocken zu lagern.

Auch im Frühmittelalter war die Vorratshaltung von Nahrungsmitteln und Saatgut ein wichtiger Gesichtspunkt der Landwirtschaft. Neben den Pfostenspeichern sind auch hier immer wieder Erdspeicher verwendet worden, die in Konstruktion und Abdeckung der bronzezeitlichen Vorratsgruben ähnelten. Dieses lassen archäologische Beschreibungen erkennen. Die Größe der Gruben, wie auch die Form war jedoch in vielen Fällen unterschiedlich. Mal waren sie Trichterförmig, mal zylindrisch oder auch rechteckig. Die Tiefe lag zwischen 0,8 m und 2,10 m. Der Durchmeser konnte bis zu drei Metern betragen, so das man hier schon von Erdkellern sprechen kann. Belegt sind sie bis in das 12. Jahrhundert.

(1) Wilhelm Gebers (1985) Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen.

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Der Pfostenspeicher

So, oder so ähnlich hat ein Pfostenspeicher auch im Frühmittelalter ausgesehen. Rekonstruierter Pfostenspeicher der Jungsteinzeit in der Arche Warder.

Häufiger als die Vorratsgruben sind sogenannte Pfostenspeicher oder auch Pfahlspeicher verwendet worden. Der Grundriss eines Pfostenspeichers ist quadratisch bis rechteckig mit einer Grundfläche von 2-13,5 m2, wobei die meisten zwischen 8 und 10 m2 groß sind. Die rechteckigen Speicher waren mit der Längsseite dem Wind zugewandt, damit eine optimale Durchlüftung der Vorräte gewährleistet war. Das aufbewahrte Gut konnte bodenfern gelagert werden um einen gewissen Schutz vor Nässe und Schädlingen zu gewährleisten. Neben Heu und Getreide sind hier vermutlich auch Felle gespeichert worden.

Die Sache mit dem Mäusestein: Regionale moderne Speicher, wie auch süddeutsche Speicher mit ähnlicher Bauart benutzen überkragende flache Steine als Schutz vor Nagetierbefall. Diese Steine befinden sich auf den oberen Pfosten auf die dann der eigentliche Speicher aufgesetzt wird. Mäuse oder Ratten können dieses Hindernis nicht überwinden. Leider ist uns hier lediglich ein Fund aus der RKZ aus Flögeln bekannt, von dem man vermutet, dass es sich um einen solchen Stein handelt.

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Die Brennöfen

Der Töpferofen

Um gebrauchsfertige Tonwaren zu erhalten, ist es notwendig, die getöpferten Gegenstände zu brennen. Hierzu verwendete man in der Anfangszeit den offenen Feldbrand oder den Mailerbrand. Die zu brennenden Stücke wurden in einer Grube aufgeschichtet und mit Stroh und Holz bedeckt.

Die Keramik wird in der Grube gebrannt....
..... gut abgedeckt mit Erde und Grassoden.

Beim abschließenden Abbrennen erreichte man Temperaturen von bis zu 600°C. Das Problem bei diesem Verfahren ist die ungleichmäßige Hitzeverteilung innerhalb des Feuers. Durch zu hohe Strahlwärme wird die Keramik unterschiedlich gebrannt und es kann zu Abplatzungen oder der vollständigen Zerstörung der Töpferware kommen.

Nachbau eines fränkischen Töpferofens aus Geseke, Kr. Soest aus dem 6.-7. Jahrhundert auf dem Sachsenhof in Greven.

Die Entwicklung eines Töpferofens aus Lehm war ein deutlicher Fortschritt. Über einem Gerüst aus Weidenruten wurde ein entsprechender Lehmbau errichtet. Er besteht aus einem rundlichen Ofenraum, in dem sich die Keramik befindet und dem Feuerungskanal. Die Ofenwandung betrug ca. 6- 8 cm. Teilweise wurde der Ofen noch in den Boden eingetieft um die Wärmdämmung zu verbessern.

Aus einer Arbeitsgrube, die vor der Mündung des Feuerungskanals lag, wurde der Ofen befeuert und überwacht. In einem solchen Töpferofen war der gesamte Prozess gut kontrollierbar und es wurde nur ein geringer Teil der Tonware beim Brand beschädigt. Ein Brennvorgang dauerte etwa 8-10 Stunden und es wurden Temperaturen über 600° erreicht.

Ein solcher Ofen überdauerte viele Brennvorgänge und es können jeweils eine Vielzahl von Gefäßen gleichzeitig gebrannt werden.

Der Töpferofen in Aktion !!
In Versuchen der experimentellen Archäologie wurden Temperaturen über 600° C erreicht.

Der Rennfeuerofen

Rennfeueröfen dienten der Gewinnung von Metallen aus Erzen. Sie bestanden aus einer Feuergrube, über der sich ein bis 1 Meter hoher, hohler und oben offener, konischer Turm aus Lehm (ggf. spreugemagert und/oder mit Holz verstärkt) mit etwa 4 bis 5 cm Wandungsstärke befand. Am unteren Ende sorgten Zuglöcher für Luftzufuhr. Oft wurden solche Öfen an Hanglagen errichtet, dass der Aufwind für einen guten Zug sorgte.

Rennfeuerofen im Museum Wolfenbüttel.
Rennfeuerofen im Helms Museum Hamburg
Für die Eisengewinnung aus Raseneisenerz waren Schmelztemperaturen von mindestens 1100° C erforderlich. Die kleinen Lehmöfen wurden im ersten Arbeitsschritt mit Holz oder Holzkohle vorgeheizt, bis sie eine Temperatur von mehreren Hundert Grad erreicht haben. Danach wurde schichtweise Eisenerz und Holzkohle eingefüllt. Die Verwendung von Holzkohle ist deswegen wichtig, weil diese wesentlich höhere Verbrennungstemperaturen gewährleistet als normales Holz. Wenn der natürliche Luftzug nicht ausreichte ist die Temperatur durch die zusätzliche Verwendung von Blasebalgen noch weiter hoch getrieben worden. Nach mehreren Stunden wird das Eisen aus dem Eisenerz freigesetzt und rinnt in den unteren Teil des Ofens. Hier sammelt es sich zusammen mit Holzkohle und Schlacke zu einem Gemisch, den man Luppe nennt. Nach dem Erkalten wird die Luppe aus dem Ofen herausgeholt und durch Ausschmieden von den Schlacke- und Holzkohleresten getrennt. Dann erst kann das Eisen verwendet und weiterverarbeitet werden.
Bei der Entnahme der Luppe wurde der Ofen zerstört. Seinen Namen hat der Ofen durch die Tatsache bekommen, dass das Eisen nach unten rinnt. Renn = Rinnfeuerofen.

Mehr Informationen gibt es hier: Experimentelle Archäologie/ Museum der Westlausitz

Der Backofen

Frühmittelalterlicher Backofen im Dorf der "Schlechten Saat" in Alfeld

Aus dem von uns gewählten Zeitraum (um 700) gibt es keine gesicherten Funde von sächsischen Backöfen. Lediglich Funde aus der römischen Kaiserzeit (RKZ) sowie aus England (7. Jahrhundert) sind bekannt. Nach archäologischer Meinung sollen Backöfen aber auch bei den Sachsen verwendet worden sein.
Bei dem angelsächsischen Ofen, der in West Stowe (Suffolk) gefunden wurde, handelte es sich um einen Lehmkuppelofen. Nach einer Rekonstruktion wurde die Basis aus Flintstein gebildet, die mit einer Lage Stroh,- Sand,- und Lehmmischung bedeckt war. Die Wände bestanden aus einem Weidengeflecht, dass von innen und außen mit Lehm beworfen und geglättet wurde. Der Ofen hatte vorne einen niedrigen Eingangstunnel zum Beschicken des Ofens und hinten eine Öffnung für den Rauchabzug. Funktioniert hat der Ofen nach dem Prinzip der Resthitze. Im Ofen wurde ein Holzfeuer entfacht und der Ofen so auf Hitze gebracht. Dann wurde das Feuer herausgekratzt und die Gebäcke in den Ofen gegeben.

Eine super Seite zu dem Thema:
Experimente mit frühmittelalterlichen Backöfen

Die Köhlerei

Basis eines Grubenmeilers Quelle: Harzarchäologie

Für die Arbeit in der Schmiede und auch für die Reduktion des Eisens im Rennofen wurde Holzkohle benötigt. Diese wurde durch Erhitzen von Holz in so genannten Meilern gewonnen. Der bekannte Platzmeiler, bei dem Holzscheite um aufgerichtete Pfähle aufgeschichtet, mit Erde und Grassoden abgedeckt und anschließend entzündet wurden, kam im frühen Mittelalter allerdings seltener zur Anwendung. Hier wurden vorzugsweise Grubenmeiler benutzt. Dabei handelt es sich um Gruben, die kessel,- trichter,- oder stufenförmig in den Boden eingetieft waren. Diese wurden mit dem Holz befüllt, befeuert und ebenfalls abgedeckt. So konnte das Holz nicht verbrennen, sondern verkohlte nur allmählich, da kaum Sauerstoff vorhanden war. Während des gesamten Vorganges, der oft auch mehrere Tage dauern konnte, musste ständig darauf geachtet werden dass kein offenes Feuer entsteht. War die Holzmenge vollständig verkohlt, konnte der Meiler geöffnet und die Holzkohle entnommen werden.
Ein solcher Meiler war natürlich kein Bestandteil der sächsischen Hofanlage. Die Köhlerei wurde im Wald an Ort und Stelle durchgeführt.

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Der Brunnen

Genau wie heute, war auch damals das Wasser lebensnotwenig. Gehöfte, die nicht in unmittelbarer Nähe eines Flusses oder eines Baches standen benötigten also einen Brunnen. Aufbau und Konstruktion eines Brunnen war sicherlich sehr unterschiedlich und von verschiedenen Faktoren abhängig. Der Brunnen auf der frühmittelalterlichen Siedlung in Eielstädt (Gemeinde Bad Essen, LK Osnabrück) hatte eine Tiefe von etwa 3 Metern. Auf der Grabensohle stand ein hölzerner Kasten von 1 x 1,1m aus Eichenbohlen, die von einem Lattenrahmen zusammengehalten wurden. Oberhalb des Kasten fand sich eine fast runde Steinsetzung.

Eielstädt: Im Bereich des Grundwassers haben sich die Eichenspaltbohlen der Brunnenverschalung gut erhalten. Quelle: Denkmalpflege in Niedersachsen, 1985.
Auch der Brunnen im Mittelalterdorf Bokenrode verfügt über eine runde Steinsetzung.

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Diese Seite ist zuletzt aktualisiert worden am: 15.03.2011
Diese Seite wurde bearbeitet von: Ulrich Klages