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Die Waffen der Altsachsen

Tracht und Bewaffnung; Abbildung aus dem Buch "Auf dem Weg nach Walhall" von Dr. Wilhelm Gebers (siehe Literaturverzeichnis) Es handelt sich hier um eine Rekonstruktion eines vollständig bewaffneten Kriegers. Die Fundstücke stammen aber aus unterschiedlichen Gräbern aus Rullstorf.

Bevor wir uns mit der Bewaffnung der Sachsen um 700 beschäftigen, müssen wir zunächst einen Blick auf die sozialen Stände der Altsachsen werfen. Nicht jeder durfte Waffen tragen und nicht jeder konnte sich überhaupt so etwas leisten, denn die Anschaffung von Waffen zur damaligen Zeit war sehr teuer und kostbar.
In mehreren Quellen wird von einer sozialen Schichtung berichtet. Genannt werden hier Gauvorsteher oder Statthalter, die Adeligen oder Edlen, die Freien oder Frilinge und die Halbfreien oder Laten. Sklaven oder Unfreie werden in den Schriftquellen des 8. Jahrhunderts nicht ausdrücklich erwähnt. Sie werden aber mit Sicherheit existiert haben.
Wenn wir nun die Fundsitiation von Waffen als Grabbeilagen betrachten, so lassen sich hier jedoch die sozialen Gruppierungen nicht schlüssig erkennen. Theorien, dass es bisher nur Funde von Gräbern der Oberschicht gibt, weil das niedere Volk weniger aufwändig bestattet wurde möchten wir hier widersprechen. Auch in den ärmlich wirkenden Brandgräbern wurden gleichwertige, gelegentlich sogar qualitativ höherwertige Waffen als in den Körpergräbern gefunden. Es trifft also keinegswegs zu, dass ausschliesslich das niedere Volk in Brandgräbern bestattet wurde. <1>
Die Mitgabe von Waffen sollte den Rechtsstand, das soziale Ansehen und den Besitz des Verstorbenen dokumentieren. Waffen waren in der Regel ein Status- und ein Machtsymbol. So durfte ein Schwert zum Beispiel nur von freien Männern als äußeres Zeichen ihrer Stellung und ihres Ranges in der Gesellschaft getragen werden. Besonders anschaulich wird dieses durch das Scheiterhaufengrab N9/B1 in Liebenau. Bei diesem Grab eines maximal 4 jährigen Jungen wurde ein hochwertiges Prunkschwert nachgewiesen. Dieser Knabe war noch nicht in einem waffenfähigem Alter, gehörte aber offensichtlich zu einer herausragenden Familie jener Gesellschaft.
Alle mit Waffen und mit der Bewaffnung zusammenhängende Funde sind sichere Indizien für Männergräber. Aber nicht allen Männergräbern waren überhaupt Waffen beigelegt. Die bisherigen Waffenfunde vermitteln kein Bild einer überbewaffneten, kriegerischen Gesellschaft. Eher das Gegenteil ist der Fall. Gefundene Pfeilspitzen können auch ganz allgemein erfolgreichen Jägern zugeordnet werden. Und ein Sax ist nicht nur als Waffe, sondern auch als Hiebmesser für die Wälder genutzt worden. Es ist denkbar, dass ein mit Sax begrabener Mann diese Waffe sein Leben lang trug ohne sie jemals kriegerisch eingesetzt zu haben.
Ab Mitte des 7. Jahrhunderts nimmt die Zahl der waffenführenden Gräber stark ab. Entweder wurden sie noch nicht gefunden, oder es wurden ab dieser Zeit keine Waffen mehr getragen. Es ist aber sicherlich eher das Gegenteil der Fall. Die Auseinandersetzungen mit den Franken wurden immer stärker, dass man es sich nicht mehr leisten konnte, kostbare Waffen durch Mitgabe in die Gräber faktisch zu zerstören.

<1>Siehe hierzu Artikel "Brandgräber unter dem Mikroskop" von Babette Ludowici, veröffentlicht in "Archäologie in Niedersachsen 2009".

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Diese Seite ist zuletzt aktualisiert worden am: 05.10.2011
Diese Seite wurde bearbeitet von: Ulrich Klages