Inhalt

Schwerter

Die Spatha

Die Spatha, das zweischneidige Langschwert, hat ihren Ursprung in der Spätantike und wurde bis in das 8. Jahrhundert verwendet. Die Klingenform dieser zum Hieb verwendeten Waffe hat sich im Laufe der Zeit kaum verändert. Am Griff und an der Scheide vollzog sich jedoch ein modischer Zier- und Formwandel. Ein Schwert als solches war die Waffe, die den höchsten gesellschaftlichen Rang symbolisierte. Entsprechend dieser Bedeutung war diese Waffe auch mit Messing oder Silber tauschiert. Auch der dazugehörige Ledergurt war reich mit Beschlägen verziert.

Das nebenstehende Bild zeigt die Spatha des "Herrn von Asseln" ca. 565-590 n. Chr. Die 94 cm lange Hauptwaffe (Klingenlänge 81,5 cm) des adeligen Kriegers beeindruckt durch seine Größe und Erhaltung. Besonders ins Auge fällt der goldfarbige Bronzeknauf am Griff. Der Aufbau der Klinge ist in Schweißverbundtechnik, der sogenannten Damaszierung ausgeführt. Hierbei wurden verschiedene Eisenlegierungen im Schmiedefeuer schichtweise verschweißt. Bei Verwendung von nur einer nicht härtbaren Eisenlegierung (Eisen) wäre diese Klinge sehr schnell stumpf gewesen und die Gefahr des Verbiegens wäre sehr groß gewesen. Bei der alleinigen Verwendung einer härtbaren Eisenlegierung (Stahl) wäre die Klinge zwar sehr hart, aber auch einer erhöhten Bruchgefahr ausgesetzt. Durch die gezielte Kombination von Eisen-und Stahlschichten entstand so ein neuer, ausreichend harter und wenig bruchgefährteter Werkstoff zur Herstellung von sehr belastbaren Schwertklingen.

Der Sax

Häufiger als die Spatha läßt sich bei den Sachsen der Sax nachweisen. Auch wenn diese Waffe in seinem Prestigewert im Frühmittelalter etwas unter der Spatha stand, so war auch der Sax ein wichtiges Statussymbol. Es handelt sich um ein einschneidiges Schwert, das sich aus einem Streitmesser - also aus einer Zweitwaffe - entwickelt hatte, indem es länger und breiter wurde. Bezüglich der Bezeichnung dieses einseitig geschliffenen Schwertes als "Sax" sind sich Historiker und Archäologen jedoch nicht einig. Die Historiker sind geneigt, jedes kurze Schwert als einen Sax anzusehen. Der Sax der Archäologen hat überhaupt nichts mit den Sachsen zu tun. Die "Langsaxe" sollen im 5. Jahrhundert mit den Hunnen ins Karpatenbecken gekommen sein, während den "Kurzsaxen" römische Wurzeln zugesprochen werden. Bereits in der römischen Kaiserzeit war ein Kurz- bzw. Schmalsax als Stichwaffe im Gebrauch. Ab Ende des 6. Jahrhunderts änderte sich die Größe und es entstand ein Breitsax, der als Hieb- bzw. Mehrzweckwaffe eingesetzt wurde. Mit dem Auftreten des Breitsaxes verschwand die bisherige Wurfaxt - die Franziska - aus den Grabinventaren. Es liegt die Vermutung nahe, dass der Breitsax auch als Wurfwaffe verwendet wurde. Auch die Form, bzw. die Lage der Spitze folgte diesem Funktionswandel.

Bewaffung aus dem Liebenauer Grab P12/A2
Abb.2 Grab P12/A2 Liebenau;
1. Hälfte 7. Jahrhundert

Wie bei dem Schmalsax auf dem obigen Bild von Grab 11 in Asseln zu sehen, läuft die Spitze hier noch in Flucht des Schneiderückens. Beim Breitsax verschob sich die Spitze hin zur Schneidenpartie. Dieses ist auf dem rechten Bild vom Körpergrab P12/A2 aus Liebenau sehr gut erkennbar. Diese Entwicklung ist auch auf eine Änderung der Kampfweise zurückzuführen, vom Stechen zum Hauen.

Der Liebenauer Breitsax weist eine Länge von 512 mm auf. Erhalten waren noch bronzene Beschläge und Nieten der Lederscheide dieser Waffe. Zusammen mit dem im Gürtel steckenden Messer wurde in diesem Grab eine schwere eiserne Gürtelgarnitur mit Eisennieten, die mit Bronzehütchen bedeckt sind, gefunden. Eine solche Waffengarnitur war bereits eine Standardausrüstung im fortgeschrittenen 7. Jahrhundert. Allerdings gab es nicht wirklich eine Standardbewaffnung bei der Beigabenausstattung. Die Ausrüstung mit Waffen war individuell auf die bestattete Person bezogen.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus der für die Sachsen typische "Langsax", der leichter und eleganter war. Getragen wurde er in einer Holz- oder Lederscheide, die oft mit Zierknöpfen versehen war. Auch die Metallteile der Saxscheide waren meistens verziert und hoben die Waffe so optisch hervor.

Literatur- und Quellenangabe:
Westphal, Herbert - Franken oder Sachsen?, Untersuchungen an frühmittelalterlichen Waffen, Studien zur Sachsenforschung 14, 2002

Seitenanfang