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Die allgemeine Meinung hat nicht immer recht.

Als wir anfingen uns in die Geschichte der Sachsen einzulesen, erschien uns vieles einfach und klar. Was wir im Internet und auch in vielen Büchern fanden, zeichnete ein einheitliches Bild über die Sachsen bis zur Zeit Karls des Großen (weiter wollten wir nicht gehen). Doch je mehr wir lasen, vor allem in der neueren Literatur, desto mehr Fragezeichen und "aber" tauchten auf. Hier wollen wir die für uns wichtigsten anderen Erkenntnisse darlegen.

Der Sax hat seinen Namen von den Sachsen

Schön wäre es, doch das stimmt nicht. Der Name Sax leitet sich vom altgermanischen "sahs" ab, was soviel wie Messer oder Dolch bedeutet. Das Wort "der Sax" ist eher von der neuzeitlichen Wissenschaft von dem bei Gregor von Tours vorkommenden Wort "scramasaxus" abgeleitet und auf einschneidige Hiebmesser angewendet worden. Archäologisch lassen sich solche einschneidigen Hiebmesser bis nach Skandinavien der vorchristlichen Zeit verfolgen. Die Bodenfunde lassen keinen Zusammenhang zwischen den "Saxen" der Archäologie und den geschichtlichen Sachsen erkennen.

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Die Sachsen haben ihren Namen vom Sax

Wo sich der Name Saxones oder Sachsen herleitet, die Frage kann hier nicht beantwortet werden. Allgemein wird angenommen, dass Sachsen vom altgermanischen 'sahs(a)' abgeleitet ist. Das Wort ist in der altsächsischen Sprache nicht überliefert, erst im Althochdeutschen der 8. Jahrhunderts. Hier wird es mit "Messer" oder "Dolch" übersetzt. Doch wie bekannt ist, ist die lateinische Nennung der Sachsen älter.

Gehen wir von der ersten Erwähnung der Saxones in der Mitte der 4. Jahrhunderts aus, so muss überlegt werden von welchem germanischen Wort die Römer diese Bezeichnung gebildet haben. Angenommen wird das Wort 'sahsa' , bei dem auf Grund des lateinischen Alphabets das 'sh' gegen 'x' getauscht wurde. Unter der Annahme, dass der Name zur dieser Zeit keine germanische Neubildung ist, sondern bereits im Ur-indogermanischen bestand, wurde die Bedeutung von 'sahsa' tiefer untersucht. In der vergleichenden Sprachwissenschaft wird dem Wort die Bedeutung "Stein/Fels" oder "schneiden" zugewiesen. Die wirkliche Bedeutung ist nicht bekannt.

Ob 'sahsa' aber die Grundlage der Namensgebung der Saxones war, bleibt offen. Wenn dem wirklich so war, so ist trotzdem nicht davon auszugehen, dass es bereits das spezifische Hiebmesser der Sachsen (Sax) bezeichnet.

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Die Sachsen wurden zu ersten Mal bei Ptolemäus erwähnt

Ptolemäus lebte im 2. Jahrhunderts nach Christus in Alexandria und war der Autor der "Geographie", die in der allgemeinen Meinung als frühstes Zeugnis für die Nennung der Sáxones gilt. Das Werk sollte die Grundlage zur Herstellung von Landkarten bilden und enthielt geographische Angaben wie auch Namen von Völkern. Doch ist diesen Angaben nicht sehr zu trauen, wie bereits Wissenschaftler im 19. Jahrhundert feststellten.

Höchstwahrscheinlich ist die Nennung der Sachsen in der "Geographie" die Folge fehlerhaften Kopierens des Textes im Mittelalter, denn das Original ist nicht erhalten. In den Abschriften stehen an Stelle von Sáxones auch Namen wie Sázones, Aúxones und Áxones. Untersuchungen haben ergeben, dass im Original wohl "Avionen" (griechisch: ABIONES) gestanden hatte, dies aber durch Kopierfehler zu AXONES oder SAXONES wurde.

Daher ist davon auszugehen, dass im 2. Jahrhundert der Name Saxones noch nicht bekannt war, erst ab Mitte des 4. Jahrhunderts ist seine Nennung zweifelsfrei belegt.

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Die Sachsen eroberten das Thüringerreich

In der herrschenden Meinung geht man davon aus, das der Höhepunkt der sächsischen Eroberung die sächsische Teilnahme an der Vernichtung des Thüringerreiches (531/533) ist. Damit hätte sich das Siedlungsgebiet der Sachsen bis an die Unstrut ausgedehnt. Doch sieht es so aus, dass es sich nur um eine schöne Geschichte handelt. Schaut man auf die literarische Quellenlage, so erwähnen die Quellen, die zeitnah vom Feldzug der Franken gegen die Thüringer erzählen, mit keinem Wort die Teilnahme der Sachsen. Weder Gregor von Tours, Venantius Fortunatus und Prokop(6. Jhdt), noch die Fredegarchronik (7. Jhdt) oder das "Buch der fränkischen Geschichte" (8. Jhdt) wissen von einer solchen Beteiligung.

Erst ab der Mitte des 9. Jahrhundert existieren Quellen, die von einer derartignen Beteiligung schreiben. Jedoch muss beim Lesen berücksichtigt werden, dass die Autoren die Verhältnisse und Ansichten ihrer Zeit in die Vergangenheit setzten. Und - das ist viel wichtiger - die Zielsetzung der Aufzeichnungen war nicht die kritische Darstellung der Vergangenheit, sondern sie diente als Mittel zum Zweck.

Die Grenze zwischen den Sachsen und den Franken, wie auch noch später im 9. Jahrhundert, war der Harz und nicht die Unstrut. Das belegen sowohl literarische Quellen wie auch archäologische Ausgrabungen.

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Im 7. Jahrhundert gab es noch die Brukterer

Nach verlustreichen Auseinandersetzungen mit den Römern gegen Ende des 1. Jahrhunderts siedelten sich die Reste der Brukterer südlich der Lippe an. Im 3. Jh. haben sie sich rechts–rheinisch von etwa Köln, aber nicht nördlicher als Neuss, bis südlich Koblenz ausgebreitet. Ab diesem Zeitpunkt zählen sie jedoch schon zum Stammesverband der Franken. Um die Mitte des 5. Jh. Haben sie wahrscheinlich auch einen großen Teil des linken Rheinufers in Besitz genommen.

Nach ihrem Aufgehen im fränkischen Reichsverband lebte ihr Name in ihrem alten Stammesgebiet zwischen Lippe und Ruhr in dem Gaunamen Borahtra fort. Diese Gaubewohner könnten gemeint sein, wenn von dem Überfall der Sachsen auf die Boructuarii die Rede ist. Wer aber genau die Bewohner der Gegend waren, ist nicht klar.

Literatur- und Quellenangabe:
Springer, Matthias - Die Sachsen, 2004

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