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Unser Tagebuch

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SAXONES? - Die Menschen des Gräberfeldes von Beuchte

Archäologischer Vortrag im Heimathaus "Alte Mühle", 38315 Schladen

V.l.n.r. :Martina Kluck, Lothar Jungeblut,
Dorothee Schacht, Steffen Busse,
Anja Stadelmann

Durch die aktuelle Landesausstellung „SAXONES – Das erste Jahrtausend in Niedersachsen“ im Braunschweigischen Landesmuseum ist das sechste Jahrhundert wieder etwas mehr in den Blick der Öffentlichkeit gerückt. Von den neun Bereichen dieser Ausstellung betreffen allein drei diese interessante Zeit, die das Ende der Völkerwanderung und den Beginn des Mittelalters kennzeichnet.

Der Förderkreis „Heimathaus Alte Mühle Schladen“ e.V. hatte deshalb zu seinem ersten Vortrag aus der Reihe „Winterabend im Heimathaus“ eingeladen. Thema war das Gräberfeld aus Beuchte (Gemeinde Schladen- Werla, Landkreis Wolfenbüttel), bei dem insgesamt neun Körpergräber aus dem sechsten Jahrhundert erfasst wurden. Die erste Vorsitzende des Vereines, Frau Dorothee Schacht, konnte hierfür als Referenten Herrn Lothar Jungeblut (ehrenamtlich Beauftragter für archäologische Denkmalpflege) gewinnen. Er wurde hierbei von unseren drei Freunden Martina Kluck und Steffen Busse von der Gruppe „OKRAVARI“ (Okervolk) sowie von Anja Stadelmann tatkräftig unterstützt. Natürlich trugen alle entsprechend historisch nachempfundene Bekleidung aus der Zeit und präsentierten auch Repliken und Rekonstruktionen, die dieses Gräberfeld betreffen. Es gab also Geschichte zum Anfassen!

Vergleich Illustration Kelvin Wilson
und Fundzeichnung Grab 5

Herr Jungeblut begann den Vortrag pünktlich und vor einem voll besetzten Saal. Das Interesse war so groß, dass sogar noch weitere Stühle hereingebracht werden mussten.

Nach einer allgemeinen Einführung in die „Merowingerzeit“ gab es zunächst Informationen zum Thema Archäologie. Wie kommt man dazu? Was kann man an Funden erkennen und ableiten? Was kann man allein an Knochen über die verstorbene Person herausfinden?

Im Anschluss daran thematisierte er die aktuelle Landesausstellung „SAXONES“. Auf einer dort ausgestellten Illustration von Kelvin Wilson ist eine Dame zu sehen, die eine Silberfibel an ihrer Kleidung trägt. Diese Fibel erinnert kurioserweise sehr stark an die Fibel aus Grab 5 des Beuchter Gräberfeldes, die heute entweder nicht mehr existiert oder verschollen ist. Von den drei gefundenen Silberfibeln aus Beuchte gibt es leider nur noch zwei. (Wieder zuhause angekommen, hatten wir festgestellt, dass diese thüringischen Silberfibeln im sechsten Jahrhundert weit verbreitet waren. Auch in den altsächsischen Gräberfeldern Issendorf (Grab 3575) und Liebenau (Gräber F12/A1 und N12/A3) wurden derartige Schmuckstücke gefunden.)

Runenfibel von Beuchte
(Replik)

Von großer Bedeutung sind die Gräber Nummer 1 und 2, die in der aktuellen Fachliteratur als „altsächsische Adelsgräber“ angesprochen werden. Ob es sich bei den Bestatteten wirklich um Sachsen oder möglicherweise um Thüringer gehandelt hat, können wir heute nicht mehr sagen. Die Grabausstattung war definitiv „thüringisch beeinflusst“. In Grab 1, einem Frauengrab, befand sich eine Fibel, die den bedeutendsten Fund aus dem sechsten Jahrhundert im Braunschweiger Land darstellt. Was macht diese Fibel so wichtig? Wie unterscheidet sie sich von den weiteren Fibeln dieses Typus? Die Antwort dazu erhält man, wenn man die Fibel umdreht. Auf der Rückseite des Schmuckstückes sind Runen eingeritzt. Handelt es sich hier um einen „Zauberspruch“, der die Trägerin schützen und vor Unheil bewahren sollte? Es gibt hierzu unterschiedliche Interpretationen. Mit einer davon haben wir uns schon einmal an anderer Stelle beschäftigt. Hier klicken: Runische Zauberwörter

Steffen bei der Waffenpräsentation.

Spannend wurde es auch bei der Vorstellung des „Beuchter Kriegers“ aus Grab 2. Herr Jungeblut zog hier einige Parallelen zum bekannten Fürstengrab (Grab 1782) aus Krefeld- Gellep. Zwar gab es in Beuchte keinen vergoldeten byzantinischen Spangenhelm, aber immerhin wurde auch dem Beuchter Krieger eine oströmische Goldmünze bei der Grablege in den Mund gelegt. Es handelt sich hier nicht um die gleiche Münze, wie in Krefeld- Gellep, aber interessanterweise mit dem Bildnis des gleichen oströmischen Kaisers Anastasius I (491 – 518). Waffen wurden in Beuchte nicht gefunden. Es lässt sich aber archäologisch nachweisen, dass das Grab relativ kurz nach der Grablege gestört wurde. Und zwar an genau der Stelle, an der üblicherweise das Langschwert und der Sax gelegen hätten. Dieses lässt die Vermutung eines Grabraubes durch einen Angehörigen oder eines Teilnehmers der Bestattungsfeier zu.

Weitere Paralellen waren ein Löffel und auch ein Bratspieß, der in beiden Grablegen vorhanden war. Auch zum Fürstengrab aus Hemmingen- Hiddestorf (Region Hannover) gab es einige Vergleiche, da dieser mit einer ähnlichen Ausstattung beerdigt worden war.

Alles in allem ein sehr unterhaltsamer Vortrag, der auch für uns einige neue Erkenntnisse gebracht hat. Der Abend klang mit interessanten Gesprächen bei Würzwein, Wasser und Brotchips aus. Die Fahrt nach Schladen hatte sich gelohnt.

Onlineartikel bei regionalWolfenbüttel.de

https://regionalwolfenbuettel.de

Pressebericht in der Braunschweiger Zeitung

Pressebericht in der Goslarschen Zeitung vom 19.10.2019

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