Auf den Spuren von Bischof Bernward
Ein ganz besonderer Stadtrundgang durch Hildesheim
Am 21. und 22.03.2026 waren Steffi und Dieter von "Die Sachsen von der Wisura" bei uns zu Gast. Am Samstag besuchten wir Hildesheim und begaben uns auf die Suche nach den Spuren von Bischof Bernward.
Natürlich ist Bernward für uns interessant, denn er entstammt altem sächsischen Adel. Geboren ist er um 950/960 n. Chr.
Folkmar, der Bischof von Utrecht, erkannte Bernwards Talent ein Geistlicher zu sein und führte ihn in die Hofkanzlei ein. Hier wurde er 977 aufgenommen. Da ihm eine schöne Handschrift bescheinigt wurde, durfte er Urkunden verfassen.
Als Kaiser Otto II. am 7.12.983 überraschend in Rom im Alter von nur 28 Jahren an Malaria verstorben ist, wurde sein Sohn Otto an Weihnachten 983 zum König Otto III. gekrönt. Otto war zu diesem Zeitpunkt aber erst drei Jahre alt und somit nicht regierungsfähig. Seine Mutter, die byzantinische Prinzessin Theophanu, hatte nun ein riesiges Problem. Als alleinerziehende Mutter von vier Kindern - neben Otto noch dessen Schwestern Adelheid, Sophia und Mathilde - übernahm sie die Regierungsgeschäfte für ihren unmündigen Sohn. Weiterhin gab es auch noch Stress mit Onkel Heinrich, der auch gerne König anstelle des Königs werden wollte. Alles ein wenig verzwickt! Otto brauchte einen Erzieher. Jemand, der ihm Lesen und Schreiben, Mathematik, Geschichte, Griechisch und Latein beibringen konnte. Williges, der Erzbischof von Mainz, schlug hierfür den Priester Bernward vor. Natürlich hatte er diese Aufgabe gerne übernommen.
Bernward erwies sich als guter Lehrer und der junge König entwickelte sich prächtig. Im Jahre 991 starb jedoch seine Mutter Theophanu und wurde in St. Pantaleon in Köln bestattet. Die Regentschaft wurde nun von Adelheid übernommen. Also von Ottos Oma, nicht von der gleichnamigen Schwester.
Als im Jahr 993 der Bischof Gerdag in Hildesheim verstarb, ernannte Adelheid den Priester Bernward - als Dank für seine treuen Dienste - zum neuen Bischof von Hildesheim. Hier war Bernward gleich von Anfang an gefordert. 993 drohte eine Hungersnot wegen der schlechten Ernte und schon 994 musste er sich gegen Wikinger zur Wehr setzen, die mit ihren Booten über die Flüsse fahren konnten.
995 war es dann soweit. Otto III. war nun mündig um allein zu regieren. Als Geschenk seiner Dankbarkeit schenkte er Bischof Bernward eine Reliquie - ein Stück vom Kreuz des Herrn. Bernward stiftet hierauf eine Kapelle "zum heiligen Kreuz", die 996 eingeweiht wurde. Und Otto wurde am 21.05.996 von Papst Gregor V. in Rom zum Kaiser gekrönt.
Im Jahr 1000 gab es Streitigkeiten um das Kloster Gandersheim. Es ging hier um Fragen der Zugehörigkeit, die nur in Rom geklärt werden konnten. Also reiste Bernward nach Rom. Er besuchte den Petersdom und das Grab von Otto II. Die Trajansäule sowie die Jahrhunderte alte Türen von Santa Sabina faszinierten ihn so sehr, dass er so etwas auch für Hildesheim haben wollte. Tatsächlich hatte er diesen Plan auch umgesetzt. Und auch Gandersheim blieb "hildesheimisch".
Zurück in Hildesheim begann Bernward mit umfangreichen Baumaßahmen. Der Dom wurde umgebaut, die Stadtfläche vergrößert und auf einem Hügel vor der Domburg wurde - wie in Rom - eine Kathedrale errichtet. Diese Kirche wurde dem Erzengel Michael geweiht. Die St. Michaeliskirche wurde auch als "Engelstempel" bezeichnet.
Bernward war auch der erste Bischof von Hildesheim, der eigene Münzen schlagen ließ. Nach einem Brand des Hildesheimer Domes ließ er einen noch schöneren und größeren Dom bauen. Unter Bernward blühte Hildesheim richtig auf. Und auch heute noch erinnert vieles an ihn: Bernwardmauer, Bernwardstrasse und natürlich auch das St. Bernward Krankenhaus. Man kann schon sagen, dass er Hildesheim wie kein Zweiter geprägt hat. Er starb am 20.11.1022. Sein Sarg in der St. Michaeliskirche ist jedoch leer. Seine Gebeine befinden sich in der Magdalenenkirche.
Der Hildesheimer Dom und die St. Michaeliskirche gehören heute zum UNESCO Weltkulturerbe.
Unser Stadtrundgang ging natürlich noch weiter. Auch die St. Andreas Kirche mit dem höchsten Kirchturm Niedersachsens (114,5 m), den Huckup, die St. Godehard Kirche sowie viele weitere Sehenswürdigkeiten hatten wir besucht. Natürlich fehlte auch ein Besuch in der "guten Stube" Hildesheims nicht. Der Marktplatz mit dem Knochenhaueramtshaus - dass als schönstes Fachwerkhaus der Welt gilt - , dem Tempelhaus, dem Rathaus und den weiteren Gebäuden galt unsere volle Bewunderung.