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Funkenburg 531 "De Excidio Thuringiae"

Am 20. und 21. Mai 2023 haben wir die Veranstaltung "Funkenburg 531" im Freilichtmuseum Westgreußen besucht. Thema war die fränkische Eroberung Thüringens im Jahr 531 n. Chr.

Vor Ort waren sehr viele Geschichtsdarsteller, die die Merowingerzeit und die damaligen Geschehnisse sehr anschaulich dargestellt haben. Es gab nicht nur die Schlacht als solche, sondern auch zahlreiche Spielszenen, die dem Besucher die Geschichte zum Greifen nahe gebracht haben.

Die vielen Eindrücke, die wir von dieser Veranstaltung mitgenommen haben, haben uns veranlasst, diesen Artikel etwas zu unterteilen. Durch einen Klick auf das jeweilige Kapitel springt man direkt dort hin.

Historisches

531 war ein sehr geschichtsträchtiges Jahr. Kathrin im Museum Wolfenbüttel, 2009

Im Jahr 526 n. Chr. verstarb der ostgotische König Theoderich der Große. Damit fehlte der ostgotisch- thüringischen Allianz der überragende Führer und Diplomat. Der Frankenkönig Theuderich nutzte dieses Machtvakuum, um Thüringen bereits im Jahr 529 anzugreifen. Auf beiden Seiten gab es hohe Verluste und auch der Thüringerkönig Bertachar kam dabei ums Leben. Die Franken konnten aber zurückgeschlagen werden. 531 hatten sich zwei fränkische Könige, Theuderich I. aus Reims und Chlothar I. aus Soissons, mit ihren Heeren vereinigt und stießen erneut nach Mitteldeutschland vor. An diesem Feldzug nahm auch Theudebert, ein Sohn von Theuderich, teil.

Es kommt zur Schlacht mit Herminafrid, der nach dem Tod seiner Brüder ein mächtiger König der Thüringer war. Der Chronist Gregor von Tours beschrieb eine Schlacht, die an der Unstrut stattfand. Hier wurden die Thüringer vernichtend geschlagen. König Herminafrid ergriff die Flucht und konnte in einen anderen Teil seines Reiches entkommen. Unter Zusicherung seiner Unversehrtheit wurde Herminafrid 534 von Theuderich I. nach Zülpich gebeten, wo er zunächst reich beschenkt wurde. Wenig später wurde er jedoch belogen, verraten und getötet.

Durch die Heirat Chlothars I. mit der thüringischen Königstochter Radegunde (Tochter von Berthachar) wurden die Franken legal Herrscher von Thüringen und seiner Provinzen.

Die Nachstellung

Das Ziel des Events war es nicht, die historischen Geschehnisse detailiert nachzustellen. Es sollte aber eine mögliche Nebenhandlung aus dem Jahr 531 rekonstruiert werden, wie sie eventuell in einer thüringischen Wehrsiedlung (wie z.B. der Funkenburg) stattgefunden haben könnte.

Die Veranstaltung diente der Veranschaulichung eines Heerlagers sowie vorführendem Handwerk. Ergänzt wurde dieses mit einer epochenübergreifenden Modenschau. Im Mittelpunkt stand aber das Schwerpunktthema Feldschlacht, dem auch ein öffentliches Kampftraining vorrausging. Den Organisatoren war es ein Anliegen für höchste darstellerische Qualität zu sorgen. Das dürfte auf jeden Fall gelungen sein.

Spielszene 1: Das Begräbnis

König Bertachar ist gestorben. Angeführt von seinem Bruder Herminafried und dessen Frau Amalaberga wird der Leichnam zur Begräbnisstätte gebracht.

Die Beisetzung des gefallenen Königs erfolgte würdevoll und mit allen Ehren.

"Der König ist tot - es lebe der König"

Herminafrid wird zum neuen König Thüringens ausgerufen.

Spielszene 2: Die Versammlung

Die Franken stehen vor den Grenzen Thüringens. Herminafrid hat seine Anführer um sich gesammelt um die Lage zu besprechen. Wie geht man mit der Situation um? Würde man einen fränkischen König akzeptieren? Nein! Niemals!

Eine Delegation der Ostgoten tritt ein. Sie bringen auch Geschenke mit. Die Hoffnung steigt, denn auf die Goten war immer Verlass!

Die Geschenke der Goten werden begutachtet und für gut befunden. Die Nachricht, dass die Goten keine Truppen für eine Schlacht gegen die Franken stellen können, ist jedoch enttäuschend.

Spielszene 3: Die Schlacht

Die Franken sind da! Sie fordern einen Tribut! Dieser wird ihnen jedoch verwehrt.

Die Thüringer geben sich siegessicher. Nach der ersten Angriffswelle haben sich die Franken zurückgezogen. Doch der Schein trügt.

Die fränkischen Truppen sind siegreich. Herminafrid unterwirft sich und kehrt zur Tributpflicht zurück. Sein Schwert wird ihm abgenommen. Verzweifelt bittet er darum, dass sein Land nicht gebrandschatzt und geplündert wird.

Gruppenbild mit allen Kämpfern

Lager und Modenschau

Der Aufbau und Organisation der Lager und Stände in der Funkenburg war gut überlegt. In der Vorburg gab es interessante Verkaufstände mit Pflanzen, Schmuck sowie Büchern. Auch die Verpflegung der Besucher mit Eis, Gegrilltem und entsprechenden Getränken war hier gewährleistet.

Im Innenbereich der Burg ging es richtig historisch zu. Hier haben sich zahlreiche namhafte Gruppen, die die Merowingerzeit darstellen, präsentiert. Mit unzähligen Rekonstruktionen und Repliken aus dem Fundgut der damaligen Zeit brachten sie uns die Vergangenheit ein Stückchen näher.

Die nachfolgenden Bilder sprechen für sich!

Die Funkenburg

Das Archäologische Freilichtmuseum Funkenburg umfasst die deutschlandweit einmalige Rekonstruktion einer germanischen Siedlung. Die 1974 bis 1980 archäologisch untersuchte Befestigungsanlage liegt auf einem markanten Bergsporn über dem landschaftlich reizvollen Helbetal. Die ältesten Siedlungsreste gehören in die Jungsteinzeit, ins 4. Jahrtausend v. Chr., später wurde der Platz auch in der Bronzezeit wieder aufgesucht. Die meisten Befunde und Funde stammen allerdings aus der Eisenzeit und vom Beginn der römischen Kaiserzeit.

Im Verlauf der Grabung wurden die Spuren von 40 Hütten und ca. 500 Gruben gefunden. Das größte Pfostenhaus misst 8 m x 14 m und deutete auf den Sitz des Oberhauptes der Wehranlage hin. Der überwiegende Teil des Fundmaterials, wie z. B. die Keramik, weist auf Zuwanderung aus dem ostgermanischen Raum hin. Gleichfalls sind Kontakte zu den Kelten und Römern nachgewiesen. Skelettfunde lassen Hinrichtungen und Opfer auch in Verbindung mit kultischem Kannibalismus vermuten.

Die Rekonstruktion von Vor- und Hauptburg aus Gräben, Türmen, Wällen und Palisaden befindet sich am Originalstandort und ist einzigartig. Während die Vorburg für Besucherservice, Verwaltung und wirtschaftliche Zwecke genutzt wird, entstanden in der Hauptburg eine Auswahl nachempfundener Wohn- und Arbeitshäuser, Speicherbauten, Öfen und Arbeitsgeräte. Da der experimentelle Nachbau aller nachgewiesenen Häuser jeglichen Rahmen gesprengt hätte, wurde eine repräsentative Auswahl getroffen.

Das Areal ist prädestiniert für die Darstellung eisenzeitlicher Alltagskultur. Zu den im Veranstaltungsplan bestimmten Aktionstagen besonders aber zum jährlich stattfindenden Funkenburgfest, stellen u.a. Mitglieder des Funkenburgvereins e.V. und Reenactment-Gruppen Elemente der früheren Lebens- und Arbeitsweise in zeittypischer Gewandung nach.

Ziel des Museums ist es zum einen, Techniken und Materialien der Vorzeit experimentell zu vermitteln und zu testen. Andererseits sollen prähistorische Sachverhalte für die breite Öffentlichkeit z.B. für Kindergarten oder Schule in anschaulicher teils unterhaltsamer Form vermittelt werden.

(Quelle Text: Facebookseite Freilichtmuseum Funkenburg)

Hier noch der link zur Funkenburg

Funkenburg Westgreußen

Quellen:
Gregor von Tours, Decem libri Historiarum (Zehn Bücher Geschichten)
Venantius Fortunatus, "De excidio Thuringiae" Vom Untergang Thüringens.
Venantius Fortunatus, "De vita sanctae Radegundis" Das Leben der heiligen Radegunde. (um 600) (um 575)

Literaturangaben:
Becher, Matthias - Merowinger und Karolinger, Geschichte Kompakt, 2009.
Ewig, Eugen - Die Merowinger und das Frankenreich, 2006
Föller, Daniel - Beschöningen-kritisieren-betrauern, Die Unterwerfung der Thüringer durch die Frankenkönige 531 in zeitgenössischen Zeugnissen. In: Saxones - Eine neue Geschichte zu den alten Sachsen S. 186- 195.
Grahn-Hoek, Heike - Stamm und Reich der frühen Thüringer nach den Schriftquellen. In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 56, 2002
Grahn-Hoek, Heike - Gab es vor 531 ein linksrheinisches Thüringerreich? In: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 55, 2001
Hardt, Matthias - Wie weit reicht der Arm Herminafrieds? Die Könige der Thüringer und ihr Reich. In: Saxones - Eine neue Geschichte zu den alten Sachsen, S. 168 -171.
Löwe, Heinz - Deutschland im fränkischen Reich,1984, Gebhardt - Handbuch der deutschen Geschichte, Band 2.
Ludowici, Babette - Saxones - Eine neue Geschichte zu den alten Sachsen, Kap. 6 Das Spiel der Könige
Schmidt, Berthold - Das Königreich der Thüringer und seine Eingliederung in das Frankenreich. In: Die Franken - Wegbereiter Europas, 1996, Band 1, S.285 ff.
Springer, Matthias - Die Sachsen (2004) Kap. 4 Geschichte oder Sage? Die Sachsen und der Untergang des Thüringerreichs, S.57 ff.

Bildquelle:
Abb.1: Foster, Harold R. - Prince Valiant in the days of King Arthur, Band 2, 1939/1940

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