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Unser Tagebuch

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Der Leubinger Fürstenhügel

Der "Leubinger Fürstenhügel" - eine etwas andere Rastanlage.

Eine Autobahnabfahrt in die Vergangenheit

An einer Raststätte mit einem solchen Namen
kann man nicht vorbei fahren.

Auf unserer Rückfahrt aus Franken (wir hatten u.a. die Ausstellung "Als Franken fränkisch wurde" in Iphofen besucht), führte uns der Weg auf der Bundesautobahn 71 durch Thüringen. Diese Region ist bekannt für zahlreiche archäologische Funde und auch die weltberühmte Himmelsscheibe von Nebra ist hier zuhause gewesen. Ein Schild mit dem Hinweis auf die Autobahnraststätte "Leubinger Fürstenhügel" in der Nähe der Stadt Sömmerda erregte daher sofort unsere Aufmerksamkeit. Eine Raststätte mit einem solchen Namen – da musste man doch einfach mal abfahren. Wir waren überrascht. Diese Raststätte war nicht, wie alle anderen Rastanlagen an einer Autobahn. Sie war schon irgendwie besonders. Auch das Hauptgebäude schien mehr einem Langhaus zu ähneln. Auf dem Parkplatz angekommen, entdeckten wir sofort einen sehr großen Grabhügel, der in unmittelbarer Nähe stand. Dieser Tumuli war offensichtlich der Namensgeber der Anlage.

Ein "Zeitreiseweg" an der Autobahn

Der Zeitreiseweg führt zum Grabhügel.

Doch damit nicht genug. Die Anlage verfügte über einen "Zeitreiseweg", der den Besucher von der Spätantike/ Frühmittelalter bis hin zur Bronzezeit führte.
Das man viele archäologische Funde erwarten kann, wenn man eine Schneise durch die Landschaft gräbt, wissen wir nicht erst seit der Ausstellung "Der goldene Schnitt". Auch beim Bau der A71 sowie der Rastanlage selbst wurden zahreiche Artefakte aus der Vergangenheit zu Tage gefördert.
So wurde bereits 2011 in der Nähe der Ortschaft Dermstorf ein frühbronzezeitliches Langhaus gefunden. Hier fand man auch ein Bronzedepot mit 98 Beilen und zwei Rohlingen.
Auf dem Gelände der Rastanlage sind weiterhin auch Gruben und Grubenhäuser aus der römischen Kaiserzeit nachgewiesen.

Ein Thüringischer Krieger.

Schnalle des Thüringer Kriegers

Für uns natürlich am spannendsten war der Thüringer Krieger, der auf 480 n. Chr. datiert wurde. Neben den üblichen Waffenbeigaben – hier Lanze, Schwert und Schild – trug der etwa 50 jährige Mann eine Gürtelschließe aus Eisen mit vergoldetem Silber und Bronze. Eingefasst über Silberblech hatte diese Schnalle Einlagen aus rotem Granat, grünem Glas sowie weißen Korallen. Die Granatkristalle stammen vermutlich aus Indien und Sri Lanka.

Auch dieses Grab gehörte zu einer kleinen Gruppe von Gräbern, die beim Bau der Rastanlage entdeckt wurden.

Verschiedene Wegstationen

Hinweistafel auf dem Zeitreiseweg.

Der "Zeitreiseweg" beginnt bei der Tankstelle und führt bis nach oben zum "Leubinger Fürstenhügel". Die erwähnten Funde sind allesamt auf verschiedenen Wegstationen beschrieben. Der "Leubinger Fürstenhügel" ist im übrigen der größte noch weitgehend erhaltene bronzezeitliche Grabhügel Mitteleuropas und eines der bedeutendsten Bodendenkmäler Thüringens.

Anschauliche Präsentationen im Glasgang

Eine sehr gute Präsentation.

Ganz hervorragend aufgearbeitet und präsentiert sind die Funde im Gebäude der Rastanlage selbst. In einem großzügig angelegten Glasgang zwischen dem Tankshop und der Restauration erlebt der Besucher die Vergangenheit durch anschauliche Informationstafeln, interessanten Videos, Bilder, Interaktionen sowie die Präsentation von einigen Exponaten selbst.

Kurz vor der Vollendung

Die Restauration war noch im Bau.

Bei unserem Besuch waren leider noch nicht alle Vitrinen gefüllt. Auch die Restauration befand sich noch im Bau. Die Tankanlage wurde im März 2021 eröffnet. Der Rest sollte im Sommer 2021 erfolgen. Wir waren froh und glücklich über den unverhofften Einblick in diesen Teil der Thüringer Geschichte. Bei der nächsten Fahrt über die A71 werden wir hier mit Sicherheit erneut einen Stopp einlegen

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