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Die Tierhaltung

Unter Tierhaltung verstehen wir die Haltung von nützlichen Haustieren im unmittelbaren Umkreis des Menschen. Die frühmittelalterliche Tierhaltung für ganz Deutschland lässt sich auf diesen Internetseiten nicht beschreiben. Eine allgemeine Aussage ist nicht möglich, da die Art der gehaltenen Haustiere und die Haltungsweise von der Geographie und Gesellschaftsstruktur abhängig sind. So ist zum Beispiel archäologisch an der Nordseeküste Gänsehaltung im großen Stil nachgewiesen. Ziegen wurden wohl hauptsächlich dort gehalten, wo die Bedingungen für Rinder zu schlecht waren. Diese Seite beschränkt sich im nachfolgenden Text auf die von uns gewählte Siedlungssituation, also dem Scotelingo. Tiere, die hier wahrscheinlich gehalten wurden, waren:

Rind

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Schwein

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Schaf

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Pferd

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Huhn
Bankivahuhn
Abb.1 Bankivahuhn

Beschreibung

Das Haushuhn ist das älteste Haustiergeflügel und überhaupt eines der ältesten Haustiere. Es stammt von dem in Südostasien beheimateten Bankivahuhn (Gallus gallus) ab, dem roten Dschungelhuhn aus der Familie der Fasanenvögel. Es gehört zur Gruppe der Kammhühner. Über Mesopotamien und Griechenland kam es nach Italien, von wo es im 7./6. Jh. v. Chr. auch nördlich der Alpen gelangte.

Während bei den Römern die Hühnerzucht schon recht ausgeprägt für die unterschiedlichen Zwecke war – Fleischhuhn, Legehuhn, Zierhuhn und Kampfhuhn – ging diese Spezialisierung und Bedeutung der Hühnerhaltung in der Völkerwanderungszeit zurück. Sie gewann erst im Mittelalter wieder mehr an Bedeutung. Die frühmittelalterlichen Hühner waren kleiner als heute, aber interessanterweise waren sie im Extremitätenskelett im Durchschnitt breitwüchsiger als heutige Legerassen. Skelettmorphologisch stehen die frühmittelalterlichen Haushühner – bei beträchtlichen regionalen Größenunterschieden – zwischen heutigen Zwerghühnern und leichten Hühnerrassen (Leghorn, Italiener).

Während im frühen Mittelalter (7. – 10. Jh.) die Hühnerhaltung vom züchterischen Standpunkt her noch weitgehend stagnierte, lässt sich im Spätmittelalter ein deutlicher Aufschwung erkennen. Ab dem Spätmittelalter gibt es die Beschreibung von Hühnerrassen.

Haltung

Bäuerliche Hühnerhaltung
Abb.2 Bäuerliche Hühnerhaltung

Hühner wurden in Gruppen von mehreren Hennen mit einem Hahn gehalten. Das Haushuhn ernährte sich von Samen, Beeren, Knospen, Gräsern, Kräutern und Kleintieren, die es vom Boden pickte oder hervorscharrte. Es bewegte sich hauptsächlich auf dem Erdboden oder flatterte auf niedrige Äste. Tagsüber und wenn es das Wetter zuließ, liefen sie frei im Hofbereich und umliegenden Weiden und Feldern herum. Ansonsten wurden sie eingesperrt, um sie vor Raubfeinden zu schützen. Das konnte in der Scheune, im Stallbereich des Langhauses oder in einem separaten Verschlag erfolgen. Diese Bereiche waren mit Stangen und Nestern ausgestattet, um zum einen dem Schlafverhalten der Hühner zu entsprechen und zum anderen das Einsammeln der Eier zu erleichtern. Damit die Hühner ihre Eier in den vorgesehenen Nestern legten, war es besser, sie erst gegen Mittag ins Freie zu lassen.

Mit Beginn der Geschlechtsreife, die bei den frühmittelalterlichen Hühnern mit ungefähr sechs Monaten einsetzte, begann die Eiablage, wobei von Jahr zu Jahr die Zahl der gelegten Eier weniger wurde und nach einigen Jahren aufhörte. Vermutlich war im ersten Legejahr von bis zu 100 Eiern auszugehen, die eine mittlere Länge von 5,5 cm und Breite von 3,5 cm hatten. Zu Beginn der kälteren Jahreszeit begann die Mauser (Wechsel des Federkleides) und eine Legepause setzte ein. Erst zum Frühjahr fingen sie wieder an Eier zu legen.

Nimmt man dem Huhn das Ei nicht täglich aus dem Gelege, so setzt das Brutverhalten ein. Da ein Gelege aus 8 – 10 Eiern besteht, dauert dies ungefähr zwei Wochen. Nach circa drei Wochen schlüpfen die Kücken, die dann mit drei Monaten ausgewachsen sind. Auf diese Weise kann ein Huhn zwei bis drei Gelege im Jahr bebrüten.

Nutzung

Das Huhn ist ein leicht zu nutzendes Haustier. Es ist in der Haltung einfach und ist schnell vermehrbar. Die Nutzung war im Frühmittelalter vorwiegend auf das Fleisch, in geringerem Maße auf die Eier angelegt.

Bei Bedarf wurden die Hühner geschlachtet und verzehrt. Dabei wurde das ganze Huhn mitsamt den Innereien und Knochen verwertet. Bei den männlichen Hühnern könnte es sein, dass sie zuvor kastriert wurden. Die römische Landwirtschaft kannte zwei Methoden der Kastration: Absengen der Sporen oder Brennen in der Lendengegend mir einem glühenden Eisen. Eine weitere seit alters her bekannte Methode ist das Eröffnen der Bauchhöhle um die nahe den Nieren gelegenen Hoden zu entfernen.

Die Eier wurden täglich aus den Gelegen eingesammelt. Eier sind auch ohne Kühlung für zwei bis drei Wochen zu lagern. Sie können an einem kühlen Ort (12 – 14 Grad) noch länger aufbewahrt werden, ohne dass die Qualität leidet.

Auch die Federn der geschlachteten Hühner wurden weiter verwendet. So konnte man mit den Brustfedern zum Beispiel Kissen, Decken und Kleidungsstücke füllen.

Bildquellen:
Abb.1: wikipedia.org
Abb.2: Lutterell Psalter, British Library, Add. Ms. 42130, Foliant 166v.


Gans

Beschreibung

Graugansfamilie
Abb.1 Graugansfamilie

Im Vergleich zum Haushuhn ist die Gans ein relativ junges Hausgeflügel. Die Anfänge der Domestikation reichen "nur" bis ins 2. Jt. v. Chr. nach Ägypten zurück. Für Süd– und Mitteleuropa wird eine eigene Rassebildung angenommen, die sich bis in die ersten Jahrhunderte v. Chr. rückverfolgen lässt. Als deren Stammform gilt die Graugans (Anser anser), das größte und schwerste Wildgeflügel Europas. Die Hausgans hat im Laufe ihrer langen Geschichte relativ geringe Veränderungen erfahren. Eine Ursache dafür dürfte sein, dass noch bis in die Neuzeit hinein die Wildform regelmäßig in den Hausgansbestand eingekreuzt worden ist, was eine gewisse Vereinheitlichung zum Ergebnis hatte. Wenn es auch immer wieder weiße Gänsetypen gab, die auch höher geschätzt wurden, so war die Gans doch meist wildfarben.

In römischer Zeit war die Gänsehaltung sehr ausgeprägt. Die Gänse wurden auf Größe und Gewicht gezüchtet und auch das Stopfen war schon bekannt. Nach dieser Zeit lässt sich, wie in der gesamten Tierhaltung, ein Rückschritt erkennen. Die Gänse wurden leichter, kleiner und schmalwüchsiger. Die Flügel waren im Vergleich zur Graugans schwächer gebaut, wodurch die Flugfähigkeit schlechter war. Dagegen war das Beinskelett stärker. Das Körpergewicht der frühmittelalterlichen Gans lag je nach Geschlecht zwischen 2,5 und 4 kg. Wie archäozoologische Befunde zeigen, hatte im Übergang zum Mittelalter die Gänsehaltung deutlich wieder an Bedeutung gewonnen. Die Hausgans war meist das zweithäufigste Hausgeflügel, was jedoch in absoluten Zahlen einen Anteil von unter 10% zu anderen Nutztieren ausmachte.

Die ältesten Beschreibungen von Hausgansrassen gehen bis ins 13. Jh. zurück und zwar handelt es sich um die Emdener Gans. Auch die Pommersche Gans ist eine sehr alte Rasse.

Haltung

Gänse wurden das ganze Mittelalter hindurch in unterschiedlichen Weisen gehalten; von der Haltung von Einzeltieren zur Mast über die (klein)bäuerliche Geflügelhaltung bis hin zur organisierten Massenhaltung war alles möglich. Im ländlichen Frühmittelalter war jedoch die bäuerliche Haltung maßgebend. Dort wurden die Gänse in Brutpaaren gehalten, um genug Nachwuchs zu erhalten.

Die Nahrung der Hausgans besteht im Wesentlichen aus Pflanzen, kurzen Gräsern, Kräutern sowie in geringerem Umfang aus Stauden und Wurzeln, welche sie hauptsächlich weidend an Land findet. Mitunter finden sie ihre Nahrung auch schwimmend, gründeln aber nur sehr selten. Zusätzlich kann auch Gerste verfüttert werden. Für die Gänsehaltung war ein kleiner Weiher oder Teich notwendig, um das Schwimmen zu ermöglichen. Tagsüber und wenn es das Wetter zuließ, liefen sie frei im Hof herum oder wurden von Hirten auf die umliegenden Grasflächen getrieben. Damit die Gänse nicht wegflogen und um sie vor Geflügelräubern zu schützen, wurden sie nachts eingesperrt. Das geschah in separaten Verschlägen in denen auch Körbe für den Nestbau und die Eiablage bereitgestellt waren.

Die Gänse sind mit eineinhalb bis zwei Jahren geschlechtsreif und suchen sich dann ihren Brutpartner, dem sie lebenslang treu sind. Ende Mai setzt in der Regel die Eiablage ein (Gelegegröße 4 – 10 Eier) und nach einer Brutzeit von ungefähr vier Wochen schlüpfen die jungen Gänse, die wiederum nach 8 – 10 Wochen flugfähig sind. Normalerweise brüten Gänse nur ein Gelege pro Jahr aus. Durch Wegnahme der Eier und das Ausbrüten durch Hühner können bis zu drei Gelege erreicht werden.

Nutzung

Gänse in der Arche Warder
Abb.2. Gänse in der Arche Warder

Gänse wurden im Frühmittelalter im Wesentlichen zur Erzeugung von Fleisch, Fett und Federn gehalten. Mir ist nicht klar, ob es zu dieser Zeit das bereits von den Römern durchgeführte "Stopfen" der Gänse zur Erzeugung der Stopfleber gab.

Bei Bedarf wurden die Gänse geschlachtet und verzehrt. Dabei wurde die ganze Gans mitsamt den Innereien und Knochen verwertet. Bei den Gantern könnte es sein, dass sie zuvor kastriert (kapaunisiert ) wurden, obwohl es bei der späten Geschlechtsreife und der Sozialstruktur der Gänse nicht notwendig erscheint.

Das Fett der Hausgans wurde ausgelassen und haltbar gemacht. Es stand so, ähnlich wie Rindertalg und Schweineschmalz, der notwendigen Fettversorgung zur Verfügung.

Nicht nur den geschlachteten Gänsen wurden die Federn gerupft, sondern auch bei den lebenden Tieren. Bei ihnen wurde ein– bis zweimal im Jahr das Brustgefieder zur Daunengewinnung gerupft. Mit den Daunen konnte man zum Beispiel Kissen, Decken und Kleidungsstücke füllen. Die Schwungfedern der geschlachteten Gänse ließen sich für handwerkliche Zwecke z. B. Pfeilbefiederung, Schreibfedern oder Pinsel verwenden.

Bildquellen:
Abb.2: wikipedia.org


Hund

Beschreibung

"Hund von Goyet", ca. 30 000 v. Chr.
Abb.1 Schädel des "Hundes von Goyet", ca. 30 000 v. Chr.

Der Hund ist das älteste bekannte Haustier und stammt vom Wolf (Canis lupus) ab. Bereits in der Altsteinzeit weisen archäologische Funde Domestikationsmerkmale bei den Knochen auf. Eindeutige Indizien der Domestizierung bieten Hunde, die mit Verstorbenen zusammen begraben wurden. Zu den ältesten Belegen dafür gehört das etwa 14.000 Jahre alte Doppelgrab von Oberkassel. Die Entwicklung zum Haushund fand in verschiedenen Gebieten unabhängig voneinander statt.

Bei den Römern kann schon von einer gezielten Zucht ausgegangen werden, dabei wurde allerdings nicht nach Rasse sondern nach Anforderung selektiert. Die Körpergröße dieser Hunde variierte zwischen 18 cm und 72 cm, denn es traten auch zum ersten Mal Zwergformen auf. Im germanischen Gebiet kamen mittelgroße bis große Hunde mit einer Widerristhöhe zwischen 45 und 67 cm vor. In der Form ähnelten sie dem Wolfsspitz, Schäferhund oder Collie. Sehr selten gibt es Nachweise von Zwergformen. Dieses Bild verändert sich auch nicht im Frühmittelalter. Während im ländlichen Bereich weiter mittelgroße bis große Hunde gehalten werden, fanden sich in frühstädtischen und städtischen Siedlungen sowie Burgen ebenso kleinwüchsige Formen.

Bis ins Hochmittelalter hinein dürfte es sich zum überwiegenden Teil um Landrassen mit breiter Variabilität gehandelt haben. Erst seitdem kann man von einer Zucht bestimmter Rassen reden. So sind der Bernhardiner und Pekinese Rassen, die bis ins Mittelalter zurückreichen.

Haltung

Mittelalterliche Hetzhunde
Abb.2 Mittelalterliche Hetzhunde

Die Haltung der Hunde war von Gegensätzen geprägt. Ebenso wie ihre Herren sind auch die Hunde "Standesunterschieden" unterworfen. Im Bereich der höheren "Stände" wurden besonders Jagdhunden eine besondere Fürsorge entgegengebracht – so beschäftigt sich z. B. die "Capitulare de villis" Karls des Großen in mehreren Kapiteln mit Geboten und Verboten zur Hundehaltung (XI, XXIII, LVIII). Abhängige Güter hatten oft die Verpflichtung die Hunde für ihren Herren zu verpflegen bzw. gezielt zu züchten. Dabei war auch schon die Zwingerhaltung bekannt. In den ländlichen Siedlungen waren die nicht zur Arbeit genutzten Hunde mehr oder weniger auf sich selbst gestellt, während die zur Arbeit und Nachzucht genutzten Tiere in engerer Beziehung zum Menschen lebten und von ihnen versorgt wurden.

Die meisten Hunde wurden fleischlos ernährt. Die Hauptnahrung bestand aus Brot und Getreidebreien. Die Brote wie auch der Brei wurden mit Molke, Milch, Fleischbrühe und Fleischresten angereichert.

In der Regel wurde die Hündin ein- bis zweimal im Jahr gedeckt. Nach einer Trächtigkeit von 60 bis 65 Tagen wirft sie im Normalfall 6 – 8 Junge, die sie ungefähr für zwei Monate säugte. Die Geschlechtsreife setzte wohl von Hundetyp zu Hundetyp zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr ein.

Nach dem Welpenalter wurden die Haushunde für die verschiedenen Zwecke ausgebildet und eingesetzt.

Nutzung

In der langen Zeit der Domestikation hatte der Hund unterschiedlichste Aufgaben als Schlittenhund, Kriegshund, Wachhund, Jagdhund, Hütehund usw.. So weisen archäozoologische Untersuchungen auf Verletzungen hin, die durch Hüte- oder Treibarbeit entstanden sein dürften. In den Volksrechten der Völkerwanderungszeit wurden z. B. in den Bußanordnungen verschiedene Hundeformen nach ihren Nutzungsrichtungen unterschieden. In seiner langen Geschichte war und ist er auch Nahrungslieferant (z. B. in Gebieten der Schweiz bis ins 19. Jh.).

Hund als Zugtier
Abb.3 Der Hund als Zugtier

Im Frühmittelalter wurden Hunde hauptsächlich als Hof- und Wachhund, Hüte- und Treibhund sowie Jagdhund genutzt. Dabei wurden sie immer noch aufgrund ihrer Eigenschaften und ihres Körperbaus ausgewählt, nicht der "Rasse" nach. Daneben hielt man in gehobenen Gesellschaftsschichten und im städtischen Bereich die Zwergformen als Schoßhunde.

Das Fell des Hundes konnte zu Leder verarbeitet werden. Dieses wurde für Bekleidungsstücke genutzt und später bevorzugt im Buchdruck eingesetzt. Ob das Fell selbst Verwendung fand, wie bei den Katzen, ist nicht bekannt.

Vermutlich wurden Hunde auch als Opfertiere genommen. So finden sich in der römischen Kaiserzeit und "Sachsenzeit" häufig komplett bestattete Hundeskelette. Diese liegen entweder in Friedhofsbezirken oder im Bereich von Gebäuden. Im letzteren Fall ist ev. von Bauopfern zu sprechen.

Bildquellen:
Abb.1: Mietje Germonpré
Abb.2: Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Stuttgarter Psalter, Foliant 26v
Abb.3: Cod. Pal. germ. 389, Foliant 42r


Katze

Beschreibung

Falbkatze (Felis silvestris lybica)
Abb.1 Falbkatze (Felis silvestris lybica)

Neben dem Hund ist die Katze wohl das Haustier, zu dem der Mensch die engste emotionale Beziehung entwickelt hat. Die Domestizierung ist bis in das 8. Jt. v. Chr. zurückzuverfolgen. Die Abstammungsverhältnisse der Hauskatzen gelten heute als weithin geklärt. Alle rezenten Rassen der Hauskatze lassen sich auf die Wildkatze (Felis silvestris) zurückführen, die sich in verschiedene Gruppen aufteilt. Von allen Wildkatzengruppen zeigt die Hauskatze in vielen Merkmalen die engste Beziehung zu den Falbkatzen. In Europa, wo sie erst im 1. Jt. v. Chr. auftrat, sind mehrfach lokale Einkreuzungen von Waldwildkatzen anzunehmen. Dadurch wurde sie im Typ plumper. Nach Nordeuropa und Germanien gelangte sie dann mit den Römern(1). Seit dieser Zeit darf man die Hauskatze als festen Bestandteil der europäischen Haustierfauna sehen.

Die mittelalterliche Katze war schlanker und zierlicher als die heutige Hauskatze und hatte auch andere Proportionen. Sie war kurzbeiniger und hatte eine kleinere Kopf-Rumpf-Länge als heutige Tiere. Die Langhaarmutation bei Katzen kam bereits im Mittelalter vor. Die Türkisch Angora gilt genetisch als eine der ältesten bekannten langhaarigen Katzen. Eine echte Rassezüchtung trat bei den Hauskatzen erst vor gut 200 Jahren ein.

Haltung

Die Nahrung der Hauskatze besteht aus Nagetieren, kleinen Vögel und Reptilien. Sie verträgt aber auch anderes Fleisch und von Menschen zubereitete Nahrung.

Die Katze ist ein Schleich- und Lauerjäger, der alleine bei Dämmerung und des Nachts jagt. Eine gemeinschaftliche Jagdweise kommt nicht vor. Auf den Gehöften und Dörfern bildeten die Katzen bei meist loser Bindung an den Menschen kleine selbständige Gruppen, die aus Weibchen und deren Jungen und eventuell Katern bestand. Viele Kater liefen als Einzelgänger herum. Im städtischen Bereich und in höheren Gesellschaftsschichten war die Bindung an den Menschen enger. Dort wurde sie als Heim- und Schoßtier gehalten und mit menschlicher Nahrung gefüttert, wie Beispiele aus Schleswig und Haithabu zeigen.

In ländlicher Lebensweise bekommt die Hauskatze normalerweise einmal im Jahr Nachwuchs. Die bevorzugte Paarungszeit der Katzen ist März bis Mai. Nach einer Tragzeit von 63 – 70 Tagen kommen die Jungen zur Welt, Die Wurfgröße liegt zwischen drei bis zehn Tieren. Die Jungen werden von den Weibchen der Gruppe gemeinsam aufgezogen. Zwischen dem vierten bis zwölften Lebensmonat sind die Jungen geschlechtsreif und haben dann eine Lebenserwartung von ein bis vier Jahren.

Nutzung

Jagende Katze
Abb.2 Jagende Katze

Die Katze wurde in erster Linie zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Ihre Jagd auf Nagetiere zum Schutz der menschlichen Vorräte war wohl auch der Grund für ihre Domestikation. Der Wert einer Katze hing stark von ihrer Jagdfähigkeit ab.

Das Katzenfell wurde zum einen als Heilmittel gegen Rheuma oder Gicht verwendet, zum anderen diente es als Material für Bekleidung und Taschen. Auch Katzenleder fand Verwendung.

Maus

Auch das Fleisch der Katzen war genießbar. Es wurde manchmal medizinisch eingesetzt oder in Hungerzeiten verzehrt. Hildegard von Bingen und andere Naturkundlichen rieten von Verzehr ab, da es giftig sein sollte.

Wie es scheint wurde die Hauskatze in vornehmen Kreisen als Schoßtier oder Spielgefährte gehalten. Dort verlor sie ihre Bedeutung als Mäusejäger.

Anmerkung:
(1) So fanden sich in einer kaiserzeitlichen Siedlung in Hildesheim-Bavenstedt die Überreste einer Katze.

Bildquellen:
Abb.1: wikipedia.org
Abb. 2 und die Maus: British Library, Additional Ms. 11283, England 1170, Foliant 15r.


Eine Sonderposition nahmen die Bienen ein. Diese wurden nicht im eigentlichen Sinne gehalten — die Imkerei wurde erst im Hochmittelalter genutzt – sondern im Rahmen der Zeidlerei wurden wilden oder halbwilden Bienenvölkern der Honig abgenommen.

Schweine auf der Weide
Abb.1 Schweine auf der Weide in der Arche Warder.

Rinder und Schweine nahmen den größten Anteil im bäuerlichen Viehbestand ein. Die Schafe wurden als Woll– und Fleischlieferanten gehalten, die Milchproduktion spielte nur eine untergeordnete Rolle. Auch auf das Pferd treffen wir. Es hatte noch keinen wirtschaftlichen Nutzen und setzte sich erst ab dem Hochmittelalter als bäuerliches Zugtier durch. Allerdings hatten Pferde bei den Sachsen religiöse und soziale Bedeutung und es wird vermutet, dass an bestimmten Orten sogar Pferdezucht betrieben wurde.

Im Unterschied zur heutigen Zeit war die Tierhaltung keine Stallhaltung. Das Vieh und Geflügel wurde die meiste Zeit des Jahres draußen gehalten. Nur in der kalten Winterzeit wurden die Kühe und Pferde im Langhaus aufgestallt. Man spricht von einer extensiven Tierhaltung, die damit im Gegensatz zur hoch ausgebildeten Landwirtschaft der römischen Zeit steht. Dementsprechend ging auch die Qualität der Tierhaltung zurück, sowohl was die Haltungsbedingungen als auch Rassenzüchtung, Größe oder Gewicht der Tiere angeht.

Die Tiere wurden im Herden in die umliegenden Schwemm–/Feuchtgebiete, Wiesen und Wälder getrieben und von Hirten (evtl. mit Hunden) bewacht. Dabei war es möglich, dass Tiere von benachbarten Gehöften zu einer Herde zusammengefasst wurden. Je nach Jahreszeit lagen die Weidegründe näher oder weiter vom Hof entfernt. Erlaubte es die Entfernung, wurde das Vieh abends zum Hof zurückgetrieben und dort eingepfercht oder eingestallt. War die Entfernung zu weit, so trieb man das Vieh an Ort und Stelle in feste, kleine Steinumfriedungen, um es bei Nacht zu schützen. Auf diese Weise konnte es für längere Zeit auf entfernten Weidegründen gehalten werden.

Im Spätsommer und Winter bis zum zeitigem Frühjahr trieb man das eigene Vieh auf die Getreide– und Gemüseäcker. So dienten auch die ersten Saaten des Winter– und Sommergetreides als Grünfutter. Diese waren ein beliebtes Viehfutter und wurden nur relativ wenig geschädigt, wenn der Weidegang vorm Schossen aufhörte. Er vermehrte sogar die Bestockung und half Unkräuter zu bekämpfen. Zugleich wurden die Felder gedüngt. Einen Misthaufen, so wie wir ihn heute kennen, gab es auf dem altsächsischen Hof vermutlich nicht. Um eine Brache oder ein Stück Grünland zum Ackerland vorzubereiten, trieb man die Schweine darauf, die mit ihrem Rüssel den Boden aufwühlten.

Waren die Wetterverhältnisse im Winter zu schlecht, so blieben die Tiere in den Stallungen und Pferchen. Sie wurden dann aus dem Futtervorrat, der über das Jahr hin angelegt worden war, versorgt.

Hühner auf dem Hofgelände
Abb.2 Hühner auf dem Hofgelände

Das Geflügel, Hühner, Gänse und vielleicht Enten blieben tagsüber auf der Hofanlage und deren näherer Umgebung. Für das Wassergeflügel stand sicher ein Teich zur Verfügung. Abends sperrte man es in einen Verschlag ein, der sich im Langhaus, der Scheune oder einem separaten Stall befinden konnte. Auf diese Weise war es vor Raubtieren geschützt. Während der Winterzeit erhielt auch das Federvieh Zusatzfutter aus den Vorräten. Das Geflügel war in erster Linie ein Fleischlieferant, die Eierproduktion – auch bei den Hühnern – hatte im Frühmittelalter nur sekundäre Bedeutung.

Über die warme Jahreszeit verteilt wurden Geflügel und überzählige Bocklämmer geschlachtet. Das geschah aber selten und somit war auch Frischfleisch ein seltener Gast auf dem sächsischen Speiseplan. Die Hauptschlachtzeit war der Beginn der kalten Jahreszeit, bevor das Vieh und Geflügel permanent im Stall blieb. Die auf diese Weise erhaltenen Mengen an Frischfleisch wurden konserviert um die eigenen Wintervorräte aufzufüllen. Zudem konnte man durch das Schlachten die Anzahl der Tiere so weit reduzieren, dass die gesammelten Futtervorräte ausreichten, um den Bestand durch den Winter zu bringen. Natürlich musste darauf geachtet werden, dass genügend Tiere zur Weiterzucht den Winter überleben konnten.